Nachhallzeit
Was ist die Nachhallzeit?
Die Nachhallzeit gibt an, wie lange ein Schallereignis in einem Raum benötigt, bis sein Schalldruckpegel um 60 Dezibel abgefallen ist. Sie wird in Sekunden angegeben und mit T oder RT60 abgekürzt. Die Nachhallzeit ist die zentrale Messgröße der Raumakustik, weil sie beschreibt, wie lange Schall im Raum nachwirkt und dadurch nachfolgende Geräusche überlagert.
Eine kurze Nachhallzeit bedeutet, dass Schall schnell abklingt und Sprache klar bleibt. Eine lange Nachhallzeit lässt Silben ineinanderlaufen und erhöht den Grundpegel im Raum.
Wie berechnet man die Nachhallzeit?
Die Nachhallzeit lässt sich mit der Sabineschen Formel abschätzen. Sie lautet:
T = 0,163 × V / A
Dabei steht T für die Nachhallzeit in Sekunden, V für das Raumvolumen in Kubikmetern und A für die äquivalente Schallabsorptionsfläche in Quadratmetern. Der Faktor 0,163 ist eine empirisch bestimmte Konstante.
Die äquivalente Absorptionsfläche A ergibt sich aus der Summe aller Flächen im Raum, jeweils multipliziert mit ihrem Absorptionsgrad, also ihrem Vermögen zur Schallabsorption. Zehn Quadratmeter einer Fläche mit dem Absorptionsgrad 0,9 tragen also neun Quadratmeter zur Gesamtabsorption bei, dieselbe Fläche Glas mit dem Wert 0,05 nur einen halben.
An der Formel lässt sich das Grundproblem großer Räume ablesen: Das Volumen wächst mit der dritten Potenz der Raummaße, die Oberfläche nur mit der zweiten. Große Räume brauchen deshalb überproportional viel Absorptionsfläche.
Welche Nachhallzeit ist optimal?
Es gibt keinen einzelnen optimalen Wert. Die anzustrebende Nachhallzeit hängt von der Nutzung des Raumes und seinem Volumen ab und wird in Deutschland über die DIN 18041 „Hörsamkeit in Räumen“ geregelt.
Die Norm unterscheidet zwei Nutzungsgruppen. Gruppe A umfasst Räume für Kommunikation über mittlere und größere Entfernung, etwa Unterrichts-, Konferenz- und Veranstaltungsräume. Hier gibt die Norm konkrete Sollwerte in Abhängigkeit vom Volumen vor. Gruppe B umfasst Räume für Kommunikation über kurze Entfernung, darunter Mehrpersonenbüros, Gastronomie und Wartebereiche. Hier wird nicht die Nachhallzeit selbst, sondern das Verhältnis von Absorptionsfläche zu Raumvolumen bewertet.
Wichtig ist die Richtung in beide Seiten: Zu lange Nachhallzeiten machen Räume laut und unverständlich, zu kurze machen sie akustisch tot. Die Norm nennt deshalb Sollbereiche, keine Minimalwerte.
Wie wird die Nachhallzeit gemessen?
Gemessen wird die Nachhallzeit mit einem Messmikrofon und einem definierten Anregungssignal. Üblich sind zwei Verfahren: die Anregung durch ein impulsartiges Geräusch, etwa einen Knall, oder durch abgeschaltetes Rauschen. Beide erfassen den Pegelabfall über die Zeit.
In der Praxis wird selten der volle Abfall über 60 Dezibel ausgewertet, weil der Störpegel im Raum das oft verhindert. Stattdessen wird ein kleinerer Bereich gemessen und rechnerisch hochgerechnet, gebräuchlich sind T20 und T30.
Gemessen wird zudem immer frequenzabhängig, denn ein Raum kann bei hohen Frequenzen unauffällig und bei tiefen deutlich zu lang sein. Ein einzelner Sekundenwert ohne Frequenzangabe sagt daher wenig aus. Aus der Messung ergibt sich, wie viel Absorptionsfläche fehlt und wie sie über Decke und Wand verteilt wird.
Häufige Fragen zur Nachhallzeit
Kann man die Nachhallzeit selbst messen?
Smartphone-Apps liefern eine grobe Orientierung, aber keine belastbaren Werte. Für Planung und Nachweis nach DIN 18041 sind kalibrierte Messtechnik und definierte Messpositionen erforderlich.
Warum hallt ein leerer Raum stärker?
Weil Einrichtung Absorptionsfläche darstellt. Möbel, Textilien und Menschen nehmen Schall auf. Fehlen sie, steigt die Nachhallzeit deutlich, selbst wenn Volumen und Oberflächen unverändert bleiben.
Zählen anwesende Personen mit?
Ja. Menschen absorbieren Schall spürbar. Deshalb wird bei Räumen mit wechselnder Belegung, etwa Konferenzräumen, sowohl der besetzte als auch der unbesetzte Zustand betrachtet.
