Schallabsorption
Was ist Schallabsorption?
Schallabsorption bezeichnet die Umwandlung von Schallenergie in Wärme beim Auftreffen auf eine Oberfläche. Der absorbierte Anteil wird nicht in den Raum zurückgeworfen und trägt damit nicht mehr zum Nachhall bei. Schallabsorption ist der physikalische Vorgang, auf dem jede raumakustische Maßnahme beruht.
Der Begriff beschreibt den Vorgang, nicht das Bauteil. Das Bauteil, das diesen Vorgang ermöglicht, heißt Schallabsorber.
Wie läuft Schallabsorption physikalisch ab?
Schall ist eine Druckschwankung, die Luftteilchen in Bewegung versetzt. Trifft diese Bewegung auf eine harte, geschlossene Fläche, wird sie nahezu vollständig zurückgeworfen. Trifft sie auf ein offenporiges Material, dringen die Luftteilchen in dessen Hohlräume ein und reiben an den Faser- und Porenwänden.
Diese Reibung entzieht der Schallwelle Energie und gibt sie als Wärme ab. Die entstehende Wärmemenge ist so gering, dass sie messtechnisch kaum erfassbar ist, energetisch ist der Vorgang jedoch genau das: eine Umwandlung von Bewegungs- in Wärmeenergie.
Beim Auftreffen auf eine Fläche verteilt sich die Schallenergie auf drei Anteile: einen reflektierten, einen absorbierten und einen durchgelassenen. Ihre Summe ergibt immer die auftreffende Gesamtenergie. Für die Raumakustik zählt der absorbierte Anteil, für die Schalldämmung der durchgelassene.
Warum wirkt Schallabsorption nicht bei allen Frequenzen gleich?
Schallabsorption ist frequenzabhängig, weil die Wellenlänge des Schalls über die benötigte Materialstärke entscheidet. Hohe Töne haben kurze Wellen, tiefe Töne lange. Ein Absorber wirkt zuverlässig erst dann, wenn seine Dicke im Verhältnis zur Wellenlänge ausreichend groß ist.
Daraus folgt die wichtigste Konsequenz für die Planung: Dünne Materialien schlucken Höhen, tiefe Frequenzen brauchen Dicke oder Abstand. Ein zwei Zentimeter starker Filz nimmt Zischlaute und Höhen auf, gegen dumpfes Dröhnen richtet er nichts aus.
Ein einseitig auf hohe Frequenzen wirkender Raum kann dadurch sogar unangenehm werden. Werden nur Höhen geschluckt, verschiebt sich das Klangbild ins Dumpfe, und der Raum wirkt trotz Maßnahmen unausgewogen. Eine gute Planung verteilt die Absorption deshalb bewusst über den relevanten Frequenzbereich.
Welche Materialien absorbieren Schall?
Schall absorbierende Materialien haben eine gemeinsame Eigenschaft: Sie sind luftdurchlässig. Dazu zählen Mineralwolle, Polyestervlies, Melaminharz- und Basotect-Schaum, Filz, textile Bespannungen mit Absorberkern sowie perforierte oder geschlitzte Platten mit dahinterliegendem Vlies.
Nicht absorbierend sind dagegen Beton, Glas, Fliesen, Metall, lackiertes Holz und geschlossenzelliger Schaumstoff. Der letzte Punkt überrascht regelmäßig: Verpackungsschaum oder Eierkartons wirken kaum, weil ihre Zellen geschlossen sind und die Luft nicht eindringen kann.
Auch Einrichtung trägt bei, allerdings begrenzt. Teppiche, Vorhänge und Polstermöbel absorbieren überwiegend hohe Frequenzen und ersetzen keine geplanten Absorberflächen. Welche Kombination ein konkreter Raum braucht, zeigt die Betrachtung der Raumakustik insgesamt. Ausführungen für Decke und Wand finden sich bei den Deckenmodulen und Wandmodulen.
Häufige Fragen zur Schallabsorption
Was ist der Unterschied zwischen Absorption und Dämmung?
Absorption wandelt Schallenergie innerhalb eines Raumes in Wärme um und verkürzt den Nachhall. Dämmung verringert die Übertragung von Schall in einen anderen Raum. Beide verlangen gegensätzliche Materialeigenschaften: Absorption braucht Porosität, Dämmung braucht Masse und Dichtheit.
Kann ein Raum zu stark absorbieren?
Ja. Wird zu viel Absorptionsfläche eingebracht, wirkt der Raum akustisch tot und unangenehm still, Stimmen klingen leblos. Die DIN 18041 nennt deshalb Sollbereiche und keine Minimalwerte.
Helfen Eierkartons gegen Hall?
Nein. Eierkartons besitzen weder ausreichende Materialstärke noch eine offene Porenstruktur. Sie streuen Schall geringfügig, absorbieren ihn aber praktisch nicht.
