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Absorptionsgrad

Fuenf Materialproben von Akustikabsorbern nebeneinander im Vergleich

Was ist der Absorptionsgrad?

Der Schallabsorptionsgrad gibt an, welcher Anteil der auftreffenden Schallenergie von einer Oberfläche aufgenommen und nicht reflektiert wird. Er wird mit dem griechischen Buchstaben α (Alpha) bezeichnet und nimmt Werte zwischen 0 und 1 an. Der Wert 0 steht für vollständige Reflexion, der Wert 1 für vollständige Absorption. Der Absorptionsgrad ist die wichtigste Kennzahl zur Bewertung akustischer Materialien.

Ein Absorptionsgrad von 0,8 bedeutet, dass 80 Prozent der auftreffenden Schallenergie aufgenommen und 20 Prozent zurückgeworfen werden.

Was bedeutet der Wert αw?

Der Absorptionsgrad ist frequenzabhängig, ein Material absorbiert also bei 500 Hertz anders als bei 4.000 Hertz. Für die Praxis wäre eine vollständige Frequenzkurve unhandlich, deshalb wird sie zu einer einzigen Kennzahl zusammengefasst: dem bewerteten Schallabsorptionsgrad αw.

Der αw-Wert entsteht, indem die gemessene Frequenzkurve mit einer genormten Bezugskurve verglichen wird. Er ist damit ein Einzahlwert, der die Gesamtwirkung beschreibt, aber bewusst Informationen weglässt.

Genau darin liegt die häufigste Fehlinterpretation. Zwei Produkte mit identischem αw können sich im Verhalten deutlich unterscheiden: Das eine wirkt gleichmäßig über alle Frequenzen, das andere stark bei Höhen und kaum bei Tiefen. Wer einen Raum mit dumpfem Dröhnen hat, findet die Antwort deshalb nicht im αw, sondern in der Frequenzkurve des Datenblatts.

Absorberklassen A bis E nach bewertetem SchallabsorptionsgradBalkendarstellung der fünf Absorberklassen. Klasse A entspricht einem bewerteten Absorptionsgrad von 0,90 und höher, Klasse B 0,80 bis 0,85, Klasse C 0,60 bis 0,75, Klasse D 0,30 bis 0,55 und Klasse E 0,15 bis 0,25.KlasseαwWirkungA0,90 – 1,00sehr hochB0,80 – 0,85hochC0,60 – 0,75mittelD0,30 – 0,55geringE0,15 – 0,25sehr geringAbb. 1 · Raumakustik Team
Abb. 1: Die fünf Absorberklassen nach bewertetem Schallabsorptionsgrad αw.

Was sind Absorberklassen?

Absorberklassen fassen den bewerteten Absorptionsgrad in fünf Stufen zusammen, die mit den Buchstaben A bis E bezeichnet werden. Klasse A steht für die höchste Absorptionswirkung, Klasse E für die geringste. Materialien unterhalb von αw 0,15 werden keiner Klasse zugeordnet.

Die Klassen erleichtern den Produktvergleich, ersetzen die Planung aber nicht. Entscheidend ist nicht allein die Klasse, sondern das Produkt aus Klasse und Fläche: Zehn Quadratmeter der Klasse A wirken stärker als zwanzig Quadratmeter der Klasse D, aber schwächer als vierzig.

Wie geht der Absorptionsgrad in die Planung ein?

In der Planung wird der Absorptionsgrad genutzt, um die äquivalente Absorptionsfläche eines Raumes zu bestimmen. Dazu wird jede Fläche mit ihrem jeweiligen Absorptionsgrad multipliziert und alle Ergebnisse werden addiert.

Ein Beispiel verdeutlicht die Größenordnungen: 40 Quadratmeter Glasfassade mit einem Absorptionsgrad von etwa 0,05 tragen rechnerisch nur 2 Quadratmeter zur Absorption bei. Bereits 4 Quadratmeter eines Absorbers der Klasse A leisten mehr. Aus dieser Rechnung folgt unmittelbar die zu ergänzende Fläche.

Der so ermittelte Wert fließt anschließend in die Berechnung der Nachhallzeit ein. Erst dieser Schritt zeigt, ob ein Raum die Anforderungen der DIN 18041 erfüllt. Die konkrete Auswahl der Module erfolgt danach, etwa über Deckenmodule oder Wandmodule.

Häufige Fragen zum Absorptionsgrad

Kann der Absorptionsgrad größer als 1 sein?

In Messprotokollen erscheinen gelegentlich Werte über 1. Das ist kein Widerspruch zur Physik, sondern ein Effekt des Messverfahrens: Frei hängende oder gekantete Elemente wirken über ihre Nennfläche hinaus, weil auch ihre Kanten und Rückseiten Schall aufnehmen.

Welchen Absorptionsgrad haben übliche Baustoffe?

Glas, Beton und Fliesen liegen typischerweise unter 0,10 und gelten als schallhart. Teppich und Vorhänge erreichen je nach Ausführung mittlere Werte, überwiegend bei hohen Frequenzen. Gezielt entwickelte Akustikmaterialien erreichen 0,90 und mehr.

Reicht der αw-Wert für die Produktauswahl?

Für eine erste Einordnung ja, für die Planung nicht. Da der αw-Wert die Frequenzabhängigkeit zusammenfasst, sollte bei tieffrequenten Problemen immer die vollständige Frequenzkurve herangezogen werden.

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